Die E-Mail

von guinness44

Es war Liebe auf den ersten Blick und sie wusste sofort, dass er wahrscheinlich einer der wichtigsten „Männer“ in ihrem Leben sein wird. So verbrachte sie die ersten Jahre vollständig an seiner Seite. Im Laufe der Jahre schaffte sie es etwas Abstand zu halten und ihm auch etwas Freiraum zu geben. Aber mit jedem Meter Entfernung wuchs auch ihre Sorge, dass ihm etwas zustoßen konnte.

Beide hatten zwei große Leidenschaften – Fast Food und Preisausschreiben. Umso glücklicher waren sie als es ein Preisausschreiben bei ihrem Lieblings „Restaurant“ gab. Die Formalitäten waren schnell geklärt bzw. ausgefüllt und so ging das große Warten los. Nichts passierte. Er fragte sie immer wieder, ob denn schon etwas gekommen ist, z. B. eine E-Mail oder ein Brief. Nein, leider nichts, erwiderte sie. Da sie noch nie etwas gewonnen hatten, machte er sich keine weiteren Gedanken und fand sich mit der Situation ab.

Für sie, die ihre E-Mail Adresse angegeben hatte, stellte es sich allerdings etwas anders dar. Denn sie hatte nicht die Wahrheit gesagt. Sie hatte eine E-Mail bekommen.

„Lieber […],

herzlichen Glückwunsch. Du bist dabei. Du bist Teil der […]’s Fußball Eskorte zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™ in Brasilien. Als offizieller Sponsor der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™ schickt […]’s fußballbegeisterte Kinder zur FIFA WM 2014 nach Brasilien (12.06. – 13.07.2014).

Aus über 25.000 Bewerbungen wurden 15 Kinder ausgewählt, die die einmalige Möglichkeit bekommen, zusammen mit einem Nationalspieler bei der FIFA WM 2014 ins Stadion einzulaufen.
Du wirst am

Dienstag, 8. Juli 2014 als Eskortenkapitän beim Halbfinale (Spiel 61) in Belo Horizonte

dabei sein. Zusammen mit einem Erziehungsberechtigten wirst Du nach….“

Sie hatten tatsächlich gewonnen. Sie hatte sich gefreut, auch für ihn. Und doch war die Sorge, dass ihm etwas zustoßen könnte so groß, dass sie sich entschloss zu lügen und ihm die E-Mail und den Gewinn vorenthielt. Und so saß sie am Dienstag Abend in Deutschland vor dem Fernseher und freute sich mit ihrem Sohn über ein Spiel, von dem sie wusste, dass sie einmal ihren Ur-Enkeln davon erzählen wird. Die E-Mail löschte sie allerdings für immer und ewig.

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